Da geht man ganz unschuldig in eine der Buchhandlungen seiner Wahl, um bestellte Studienlektüre abzuholen und eventuell für die nahenden Semesterferien etwas, was man auch ohne Druck lesen kann und landet an einem dieser großen Verkaufstische, die normalerweise nach „Bestseller“, „Taschenbücher“, „Neuerscheinungen“, etc.pp. sortiert sind. An diesem einen speziellen jedoch gibt es nur Bücher eines Verlages: Diogenes. Na, da stöbert man schon, nicht nur weil das bestellte Buch, das man gerade abgeholt hat auch das klassische weiße Layout mit jeweiligem Bild hat.
Aber da hat anscheinend jemand die kleinen Zettelchen, die so nach Inventur aussehen, vergessen abzumachen. Man liest „8 verkaufte Exemplare 2005″ auf einem Buch von George Orwell und wundert sich. Nur acht? In einem ganzen Jahr? Nicht gerade viel für eine stark frequentierte Filiale, wie dieser.
Mehr Zettel. Mehr Zahlen. Auch eine drei prangt auf einem der Bücher und man schüttelt angesichts der bekannten Autorennamen verwundert den Kopf.
Und dann entdeckt man das etwas lieblos angebrachte Plakat an der Seite des Verkaufstisches. Neenee, das sind ja gar nicht die kümmerlichen Zahlen dieser Filiale. Das sind die Zahlen des gesamten Verlags. Für das Jahr 2oo5. Die angepriesenen Worstseller.
Und man spart sich das verwunderte Kopfschütteln.
Anscheinend ist diese Aktion nicht neu. Zumindest das Veröffentlichen der Worstseller-Liste.
Ich persönlich halte das für eine clevere Werbeaktion. Wenn die Dinger sich schon nicht verkaufen und für den Verlag somit nicht nur keine Umsätze, sondern auch Lagerkosten anfallen, warum sollte man sie nicht wieder in den Fokus eines interessierten Lesepublikums rücken. Interessant fände ich die Absatzzahlen der jeweiligen Bücher seit Beginn der Aktion. Ich bezweifle einfach mal ganz stark, dass die Zahlen sich so negativ wiederholt hätten.
Im anschließenden Plausch mit der Verkäuferin konnte ich jedenfalls triumphieren: Mein Diogenes-Exemplar hatte diesen kleinen „Ich habe es angefordert, weil Ihr es nicht da hattet“-Aufkleber. Der Kunde hinter mir in der Schlange schaute derweil etwas betreten auf sein Exemplar von Frank O’Connors „Meistererzählungen“, dem Diogenes-Worstseller schlechthin. Er hat es wieder auf den Verkaufstisch zurückgelegt.
Vielleicht wartet er, bis alle Exemplare weg sind – um es dann bestellen zu können.
