Gedichte


Kopiere ruhig mein Zögern:
die Gegenwehr ist kalkuliert.
Und selbst mein beiläufiges Stöbern
in Deiner Plattensammlung funktioniert.

Auf Deinem Sofa fabulier’ und spiel’
ich sorgsam Deine Nerven.
Ich reiz Dich langsam bis zum Ziel.
Schon bald wirst Du das Handtuch werfen.

Nun strecke ich Dir meine weiße Stirn entgegen
und warte ab bis Du den nächsten Schritt ergreifst.
Dein Mund zuckt siegreich und verwegen,
als Du mit Deinem Fuß den meinen schamvoll streifst.

Wenn dann fast aus Versehen
mein Kleid den Weg zum Boden findet -
und Deine Hand möchte verstehen,
was noch mit ihrem Strich verschwindet -

dann wähnst Du mich gewonnen.
Die Wahrheit, Liebster, unter Dir
da lächle ich versonnen.
Verloren hast Du Dich in mir.

4.02.09

In der Ferne schweifen noch Gedanken, die wir gestern gierig tranken.
Sind wir nach dem Fest berauscht und nöcher streifen wir die letzten Federkiele ab.
Wetzen Schnäbel, schärfen Krallen, mag der Wein auch heute zu gefallen.
Sind wir doch zu schwach. Unsre Instinkte werden wach.

So erheben wir uns aus den Flammen. Wir pflegen lieber unsre Schrammen,
ruhen weiter unsre Augen aus und Rauch weist in die Welt hinaus -
wo Gefahren reizvoll lauern, in den Mauern sichrer Heimstatt
kann uns niemand Wunden schlagen, werden wir niemals verzagen.

Komm doch mit. So bleib doch hier.
Hast Du Angst? Bist Du von Sinnen?
Ich bitte Dich, ich rate Dir.
Verlier ich eher – möcht ich gewinnen.

23.11.08

Ein Zyklus in vierundzwanzig Zeilen

I.

Die Drehung Deiner Hand
wirkt mit steter Ruhe
Wirbel in den Grund
des Horizontes.

Und sie wünschen, bitten, sehnen.

Du spinnst, empfängst.
Du spinnst, vermengst
die Fasern.

II.

Beim Augenaufschlag
ziehen Deine Wimpern
Furchen in den Sand
des Stundenglases.

Und sie hoffen, bangen, beten.

Du misst, Du lenkst.
Du misst, Du längst
die Fäden.

III.

Unter Deiner Klinge
kreuzen sich die Schatten
unbekannter Wege,
bis der Winkel bricht.

Und sie sorgen, fürchten, flehen.

Du wählst, Du trennst.
Du wählst, benennst
die Enden.

3.12.08

Nimekesha, makesha

Ich bin die Wache, Schlächter, ruheloser Traumverfechter.
Dein Schlafsand wurde fortgespült. Die Rache mein,
geschwächter Seelenpächter, kühlt die Sorgen.
Schon morgen, Ungerechter, wirst Du nicht mehr Wächter sein.

Ninapenda, mahawara

Ich bin die Lust, Entbrannter, atemloser oft Verlangter.
Dein Fingerschlag ist aufgespart. Verluste mein,
gespannter Unbekannter, stärken meinen Willen.
Schon bald, Entsandter, willst Du nicht verkannt mehr sein.

Nami, ninapigania, asikari

Ich bin ein Streiter, Krieger, reueloser Überflieger.
Dein Lanzenstoß wird abgewehrt. Und hilfsbereiter
als Du, mein Sieger, werde ich vernichtend sein.
Schon jetzt, Betrüger, setze ich dein Wort als meine Waffe ein.

14.12.08

Ich habe meine Haare heute rot gefärbt.
Und diese aufgeschlagne Unterlippe
wird in unsrer Sippe dominant vererbt.
Die spitze Zunge hat den Schlag geübt.
Nun zuck doch nicht, wenn in der Stille
meine Pupille sich plötzlich trübt.

Mein Rücken ist akzentuiert,
den Schultern gleich gebogen.
Selbst mein Nacken kokettiert
verlogen mit der Form.
Besieht man’s recht – wir
ähneln uns enorm.

Ich nähm das Schwert
in meine
Hände,
fände
ich Deine
durch Schuld versehrt.

Deine Stirn jedoch
ist meiner helles
Vorbild. So fällt es noch
den geraden Brauen schwer
dagegen zu bestehen.
Sie bieten keine Gegenwehr.

Wirbel, Glieder, Haltung sind perfekt.
Dein Mund gebraucht die rechten Wörter.
Gehört der Kinnschwung auch hervorgereckt,
bleiben Deine sonstgen Gesten unverderbt.
Ach, könnte ich nur Deine Unschuld haben!
Und Du hast Deine Haare heute rot gefärbt.

10.03.2009

Einer Berliner Kneipe

Ein zerschlagner Puppenkopf thront über mir.
Ich denke und zerdenke hier
den Tag und auch die Stunden.
Mit einem Arm umwunden
hält er sie in Sepia fest,

mich im Blick, der Zeit entsagt,
beschreib ich meine Blätter
und frage mich zuweilen, hätt er
auch heute noch die Liebste lieb
und sorgsam an den Leib gepresst.

Die letzte Runde zieht vorbei und ich
entziehe mich den nächsten zwei Sekunden.
Der Tag und auch die Stunden sind nun zerdacht.
Die Blätter unterm Arm, geh ich in die Nacht.
Zerschlagne Zeit im Kopf.

27.05.2008

„Die Kieferknochen mahlen noch das Kissen wund.“
sagst Du des Nachts. Nicht tags verzieht sich Dein Gesicht,
wenn meine Zähne Nüsse knacken. Das ist weiß
in Deinen Augen – dunkelt auch das Braun zu Nuss.

Kein Kerzenschein erhellt die fahle Haut,
auf der mein Wort zerbricht. Nur Zungenschlag
vermag die Nähe zu ertasten, die
bescheiden zwischen kühle Laken kriecht.

Dann schlägst Du eins der Beine übers andre
und presst die Stirn in Front zum Fensterglas.
Die Hände schlingen um die meinen – Beine -
bekreuzen sich zum letzten Abschiedsmahl.

Und einer von uns geht doch immer.
Im Sonnenlicht taugt ein Versprechen nichts.
Sag, würdest Du am Tag mein Kinn erkennen?
Ich liefe selig, blind und taub an Dir vorbei.

Doch morgen werd ich wieder für Dich Gläser beißen,
statt braunen Nüssen Deiner Augen Spiegel sein.
Dann musst Du nicht mehr jahrelang begehren
- und ich nicht schweigendes Verharren sein.

30.12.2006

- apple geschenkt -

Die Hand ertastet rund in rund
Wächter – Wimperaufschlag -
gesetzt , eröffnet, klassisch Ecke.

Ein Muskel zuckt, ein Atemzug.
Gruppe – weiß gekleidet -,
sie flieht und hastet Richtung Freiheit.

Blicke kreuzen über Linien,
spiegeln klare Muster. Zögern.
Zurück zum Spiel.

Die Finger sprechen offensiv.
Angriff – Siegeslächeln -,
ein toter Stein, geschwärzt, verbleibt.

Ein Flüstern nähert sich dem Weg.
Augen – Zweierleere -
behüten eine letzte Zuflucht.

Beide eine Vorhand wähnend,
streichen Hände Züge. Schwanken.
Kontrast im Spiel.

Jigo.

27.02.06

Du blickst mit wimpernschwarzen Augen
und sprichst Du seist niemandes Kind.
Du hättest keinen Platz zum Fallen,
selbst wenn die Straßen alle
Dir Stolperfallen sind.

Du machst Dir selbst nur Ärger,
durchstürmst mit Freuden jede Wand.
Verbände zieren Deine Glieder
und viele Feuer haben
Dir Deine Stirn verbrannt.

Der Trotz steht Deinen Zügen,
die Wut zieht Deine Lippen klar.
Und unter dieser Maske schimmert
das Kind hervor, das gestern
noch schwach und ängstlich war.

Ich könnte Dich beschützen,
Dir Wächter sein, der Wunden rächt
und Deinen Schlaf zum Morgen hüten,
Dir Vater sein und Mutter.
Doch nein – Du kommst zurecht.

15.05.08

Ich bin sicher nicht die Schönste hier.
Die Lolita da,
mit den blonden Löckchen,
kokettiert weitaus geschickter.
Aber wenn sie in die Hände klatscht,
springen die Männer nur einmal.

Ich bin wahrlich nicht die Treuste hier.
Das Herzchen da,
braucht nur einen Finger,
die ihren zu zählen.
Aber wenn sie nach Hause geht,
ist’s jeden Tag dasselbe.

Ich bin gewiss nicht die Klügste hier.
Das Genie da,
mit den geistreichen Worten,
argumentiert mich in Grund und Boden.
Aber wenn sie in den Federn liegt,
fehlt ihr im Köpfchen das Feuer.

Und da fragst Du noch,
warum ich hier tanze?

15.05.06

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