Die Ignoration der Lia W.


So, ich bin jetzt ungefähr zwei Tage im Rückstand, was meinen Tagessoll beim NaNo anbelangt. Ist schon okay, ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass ich an einem kreativen Tag mit entsprechend Zeit auch mal schnell ein paar Tausend Wörter mehr als erwartet aus dem Handgelenk schütteln kann.

Dumm nur ist, dass mir Olga dabei sonst hilft. Sie taucht dann irgendwann auf, grinst dreckig (was wirklich, wirklich beängstigend aussieht) und bewirft mich mit Ideen.

Dumm ist nur weiter, dass Olga nichts weiter ist, als der Name dem ich dem Konzept Muse gegeben habe. Das heißt, wenn sie abhaut, kann ich nicht Freunde anrufen und fragen, ob sie vielleicht bei ihnen aufgetaucht ist oder die Türen der Nachbarn abklappern, ob sie ein kleines verängstigtes Mädchen gesehen hätten.

Dumm ist drittens nur, dass ich diesmal ja ausgerechnet einen Roman über Olga schreibe. Und sie ist nicht unbedingt mit allem einverstanden, was ich da mit ihr mache. Und während sie sonst mit Ideen wirft, beschmeißt sie mich nun mit äußerst ablenkenden Interpretationen. Man kann sich das Ganze so vorstellen:

Olga: Schon wieder eine Vergewaltigungsszene?
Ich: Wie bitte was?
Olga: Du tust es schon wieder, wie in Kapitel drei.
Ich: Da war überhaupt keine Vergewaltigung *scroll* keine Ahnung, wie Du auf die Idee kommst *scroll* siehst Du, da ist überhaupt nichts *scroll* Oh!
Olga: Ja, und du hast sogar wieder das Stiefelmotiv verwendet.
Ich: Stiefelmotiv?!

Heute sollte ich so bei 10000 Wörtern sein. Sollte. Dummerweise kam ich gestern zu nichts, kränkel seit heute und überdies bin ich jetzt an dem Punkt, wo ich nicht mehr nur einzelne Szenen kreuz und quer auf das Blatt zu schießen, sondern ich anfange chronologisch zu schreiben.

Aber naja, ich weiß zumindest inzwischen, was ich schreibe, wo ich hin will und meine Figuren entwickeln ihre ersten unerwarteten Macken, die ich ihnen entweder versuche auszuprügeln oder die ich mit gesenktem Haupt still und leise toleriere.

Und wenn ich dann noch den Punkt erreiche, wo es eine Landkarte von Brandenburg nicht mehr schafft mich zwei Stunden abzulenken, dann wird alles gut.

TvTropes steht diesen Monat übrigens auf meiner absoluten NoGo-Liste. Man muss es sich ja nicht noch schwerer machen.

Da ich fürs Schreiben meist einen Soundtrack brauche, auch diesmal wieder. Auch wenn er sich diesmal sehr… krude gestaltet:

Aretha Franklin:
- Son of a preacher man
The Beatles:
- Black Bird
Belle & Sebastian:
- The Fox in the Snow
Billie Holliday:
- Cheek to cheek
Björk:
I’ve seen it all
Boomtown Rats:
- I don’t like mondays
Colin Hay:
- I don’t know why
- Maggie
- Wayfaring Sons
Damien Rice:
- Der Einfachheit halber einfach alles.
The Devlins:
- Waiting
Don MacLean:
- American Pie
Dota:
- Alles Du
Feist:
- Gatekeeper
Funny van Dannen:
- Arbeiterkinderdenkmal
- Engel
- Fanclub der Sehnsucht
- In meinem Auto
- Kunden der Zeit
- Sie sagte nein
Gundermann:
- Fliegender Fisch II
- Lancelots Zwischenbilanz
- Wo bleiben wir
Jan Koch:
- Ewiger Mai und Matt in drei Zügen Eins bis Drei
Johnny Mandel:
- Suicide is painless
Josh Ritter:
- Girl in the War
Komeda:
It’s alright baby
Konstantin Wecker:
- Bleib nicht liegen
- Das wird eine schöne Zeit
- Der alte Kaiser
- Frieden im Land
- Genug ist nicht genug
- Hexeneinmaleins
The Marmelade:
- Reflections of my life
The Rolling Stones:
- You can’t always get what you want
Smashing Pumkins:
- Tonight, tonight
Tomte:
- Die Schönheit der Chance
Wallis Bird:
- Bring me wine
- Moodsets
The Weepies:
- A Painting by Chagall

Okay, morgen geht’s los. Der National Novel Writing Month beginnt und da es letztes Jahr schon zu spät war, damit zu beginnen, ist das zumindest für mich eine Premiere.

Bis heute morgen habe ich auch mit mir gerungen, ob ich Fantasy oder nicht schreiben will. Fantasy hat gewisse Vorteile. Erstens habe ich da schon ein paar, teilweise sehr ausführliche Anfänge in Schubladen rumzuliegen (aber das ist ja nicht Sinn der Sache), zweitens kann ich Fantasy in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit runtertippen, sobald die entsprechende Welt erst mal in meinem Kopf Formen angenommen hat.

Aber das mache ich nun doch nicht. Ich habe zwar noch keine Ahnung, was ich mache, aber ich dachte es wäre vielleicht mal an der Zeit, mein Versprechen einzulösen und Olga, meiner personifizierten Muse ein Buch zu widmen. Damit habe ich zwar noch keine Geschichte, keinen Plot, noch nicht mal eine grobe Richtung. Aber ich habe eine Figur. Immerhin. Jetzt muss ich nur noch rauskriegen, wie die Welt um sie herum aussehen soll.

Während ich mich selbst in der Abschlussarbeitendpanikphase befinde, meine Wohnung sich trotz intensivem Wünschens noch nicht selbst geputzt hat und mein Briefkasten sich weigert wichtige Unterlagen zu empfangen, konnte ich heute mal wieder feststellen, dass meine Eltern irgendwas richtig oder gravierend falsch gemacht haben.

Zur Erklärung: Mich erwartete heute eine Plakatrolle mit dem Stempel der Royal Mail. Weil es Sachen gibt, die man Deutschland nicht bekommt, die es zwar in den USA gibt, die aber vom jeweiligen Anbieter nicht außer Landes verschickt werden und im Zweifelsfall Großbritanien eine nahe Alternative ist. Auch wenn meine letzte (sehr teure) DVD-Bestellung irgendwo zwischen Royal Mail und Deutscher Post versackt ist.

In der Rolle befanden sich übrigens ein BSG-Abendmahlsbild, das jetzt dekorativ aber schief weil Altbau über meinem Bett hängt… und wo ich das Stephen Colbert Poster hinhänge, das ebenfalls riesig ist, weiß ich noch nicht. Vielleicht räume ich einfach die komplette Wohnung um, damit sich ein Plätzchen auftut. Und andere Menschen denken, TvTropes-Sucht wäre ein Problem….

Okay, vielleicht find ich es auch gerade nur so schön, weil ich gestern das Buch angefangen habe, aber ehrlich: eine Felix-Krulliade?

Zitat aus dem Spon-Artikel über den verurteiltern Anthropologen Reiner Protsch:

»Er war ein Hochstapler der Extra-Klasse. Kaum vorstellbar, dass er sich nicht eines Tages wieder mit einer neuen Felix-Krulliade zurückmeldet.«

Was werden wir dann als nächstes finden? Eine Willy-Lomaniade angesichts der Wirtschaftskrise? Eine Walter-Faberiade bei seltsamen Familienverwicklungen? Eine Läufferiade bei noch seltsameren Fällen von Selbstkastration?

Naja, das dürfte zumindest interessante Gespräche ergeben…

Fausts große Nase /fausts ‘gro:sə ‘nɑzə/ umg, belegt ab ca. 2006, im Allgemeinen ein Pejorativ bezüglich gesprochener Rede mit gleichzeitiger Abwertung des Sprechers. Oft alternativ verwendet zu »hört sich gerne reden«. Der Ursprung der Redewendung liegt vermutlich in Berlin in studentischen Kreisen. Urban legends sprechen von einem Initialgebrauch anlässlich einer Vergleichsdiskussion zu verschiedenen Faustdarstellungen in der bildenen Kunst.

Beispielhafter Gebrauch:

A: »Er hat stundenlang geredet, ohne auf den Punkt zu kommen.«

B: »Ja, das war beinahe wie Fausts große Nase.«

Da ich mit dem anderen Blog ein paar Schwierigkeiten hatte (bzw. an die Grenzen der dort gegebenen Software gestossen bin), habe ich mich dazu durchgerungen, diesen Blog wieder zu beleben.

Das bedeutet, dass ich in den letzten Tagen die neuen Beiträge von drüben hierher kopiert habe (vorwiegend erstmal die Lyrik und Prosa, eventuell kopiere ich ein paar der alten Beiträge in den nächsten Tagen auch noch), was mich dazu bringt, mich bei all jenen zu entschuldigen, die den Blog eventuell noch im RSS-Feed hatten und mit einer Vielzahl von Beiträgen bombadiert wurden.

Wie dem auch sei, jetzt bin ich wieder hier, und der Blog ist auch mit meiner Domain verknüpft.

Nachdem man sich darüber beschert hat, dass mein Blog momentan so gar keine Informationen hergibt, ein kurzes Intermezzo.

Nach den Prüfungen und sehr arbeitssamer Zeit, um am Ende des Monats nicht in den Miesen zu sein, habe ich jetzt wieder ein luxuriöses Maß an zur Verfügung stehender Zeit. Da man aber mal wieder neuen Imput bekommt, wird diese wenn nicht gerade in Hausarbeiten in alte und neue Projekte gesteckt, letztere werden hier auch ihre Erwähnung finden, so bald sie veröffentlichungsreif sind. Kurzum: Keine Sorgen, mir gehts gut.

Da geht man ganz unschuldig in eine der Buchhandlungen seiner Wahl, um bestellte Studienlektüre abzuholen und eventuell für die nahenden Semesterferien etwas, was man auch ohne Druck lesen kann und landet an einem dieser großen Verkaufstische, die normalerweise nach „Bestseller“, „Taschenbücher“, „Neuerscheinungen“, etc.pp. sortiert sind. An diesem einen speziellen jedoch gibt es nur Bücher eines Verlages: Diogenes. Na, da stöbert man schon, nicht nur weil das bestellte Buch, das man gerade abgeholt hat auch das klassische weiße Layout mit jeweiligem Bild hat.

Aber da hat anscheinend jemand die kleinen Zettelchen, die so nach Inventur aussehen, vergessen abzumachen. Man liest „8 verkaufte Exemplare 2005″ auf einem Buch von George Orwell und wundert sich. Nur acht? In einem ganzen Jahr? Nicht gerade viel für eine stark frequentierte Filiale, wie dieser.

Mehr Zettel. Mehr Zahlen. Auch eine drei prangt auf einem der Bücher und man schüttelt angesichts der bekannten Autorennamen verwundert den Kopf.

Und dann entdeckt man das etwas lieblos angebrachte Plakat an der Seite des Verkaufstisches. Neenee, das sind ja gar nicht die kümmerlichen Zahlen dieser Filiale. Das sind die Zahlen des gesamten Verlags. Für das Jahr 2oo5. Die angepriesenen Worstseller.

Und man spart sich das verwunderte Kopfschütteln.

Anscheinend ist diese Aktion nicht neu. Zumindest das Veröffentlichen der Worstseller-Liste.

Ich persönlich halte das für eine clevere Werbeaktion. Wenn die Dinger sich schon nicht verkaufen und für den Verlag somit nicht nur keine Umsätze, sondern auch Lagerkosten anfallen, warum sollte man sie nicht wieder in den Fokus eines interessierten Lesepublikums rücken. Interessant fände ich die Absatzzahlen der jeweiligen Bücher seit Beginn der Aktion. Ich bezweifle einfach mal ganz stark, dass die Zahlen sich so negativ wiederholt hätten.

Im anschließenden Plausch mit der Verkäuferin konnte ich jedenfalls triumphieren: Mein Diogenes-Exemplar hatte diesen kleinen „Ich habe es angefordert, weil Ihr es nicht da hattet“-Aufkleber. Der Kunde hinter mir in der Schlange schaute derweil etwas betreten auf sein Exemplar von Frank O’Connors „Meistererzählungen“, dem Diogenes-Worstseller schlechthin. Er hat es wieder auf den Verkaufstisch zurückgelegt.

Vielleicht wartet er, bis alle Exemplare weg sind – um es dann bestellen zu können.

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