Sicherlich kennt inzwischen jeder die ungefähr Brötchen großen Gebäckstücke mit Loch in der Mitte, die man meist aufgeschnitten und mit allerlei verschiedenem Zeugs belegt kaufen kann. Bagels. Was die meisten nicht wissen – die Dinger sind zwar von den USA zu uns rübergeschwappt, es gibt sie aber schon länger als die Staaten selbst.
Woher aber kommen sie?
Nun, ganz offensichtlich brachten jüdische Einwanderer das Gebäck mit in die Staaten. Das jiddische Bejgel/Beugal (letzteres wohl auch in österreichischen Dialekten gebraucht) für „Bügel“ wurde zum heutigen Bagel.
Soweit so gut. Aber: Wenn man als Sprachwissenschaftler an die Sache rangeht und etwas weiter schaut, entdeckt man, dass es nicht nur das jüdische Gebäck gibt. Ein Dokument aus Krakau von 1610 erwähnt laut der englischen Wikipedia einen Beygl. Wie der allerdings ausgesehen haben soll, wird wohl nicht erwähnt. Und dann noch die Geschichte die Dinger wären 1683 in Wien erfunden worden.
Wenn man allerdings mal ins Grimm’sche Wörterbuch schaut, erlebt man eine kleine Überraschung. Unter Beugel findet man dort ein Backwerk, das nicht nur ähnlich klingt, sondern auch noch wie ein Bagel aussah. Das allerdings ist schlesisch und bis ins 16. Jahrhundert belegt. Also viel älter als die anderen Quellen.
Noch heute sind Beugel als ursprüngliches Fastengebäck in verschiedenen Regionen bekannt (z.B. in Oberösterreich und im Schwabenland), ganz zu schweigen von den zig Varianten als Süßgebäck (z.B. in der Slowakei und in Ungarn).
Was ist hier also wahrscheinlich? Entweder hat das Gebäck wohl in unterschiedlichen Formen und Varianten überall auch in unterschiedlichen Funktionen Verbreitung gefunden oder – und auch das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich – es wurde mehrfach erfunden und immer mal wieder der Form wegen nach dem Bügel benannt – was sich dann in unterschiedlichen Sprachen und Dialekten zwar ähnlich aber eben nicht identisch anhört.
Da ich mein einmal-pro-Semester-körperlich-unfit-sein diesmal schon am Anfang des Semesters ausbaden darf, habe ich mal wieder Zeit mich wenigstens ansatzweise den Großprojekten zu widmen. Okay, heute habe ich so rein gar nichts gemacht und morgen warten Korrekturarbeiten und Studienpunktaufgaben – aber der Kopf arbeitet fleißig und Dank der modernen Technologie im allgemeinen und meinem Notebook im speziellen hab ich schon am Wochenende auch außerhalb der eigenen vier Wände mal wieder vier fünf Seiten geschrieben. Yatta!
Nebenbei überlege ich mir, damit dieser Blog nicht stellenweise brach liegt, ein wenig Studium und Hobby, also Faszination an Etymologie reinzubringen. Also Sachen behandeln, wie „Warum der Bagel keine amerikanische Erfindung, sondern ein Reimport ist.“ oder „Warum Teufel von griech. Diábolos und nicht von apers. daiva abstammt – hieß ja schließlich auch mal Dämon und klingt viel ähnlicher.“
Da dürften mir zumindest nicht die Ideen ausgehen…
Während die HU gerade eifrig von der Exzellenz-Initiative geprägt wird, man selbst versucht da durchzusehen und ja auch noch aktiv studiert, geraten andere Projekte leider etwas ins Hintertreffen. Die Langzeitprojekte liegen momentan brach, da ich zwar durchaus Lust zum Schreiben hätte, mir aber schlichtweg die Zeit fehlt. Außerdem gibt es ein, zwei lebensnahere Projekte, die von mir zwar nicht viel Arbeit, aber gerechterweise durchaus Begeisterungsfähigkeit abverlangen.
Kurzum: Ich will Zeit. Ca. zwei Stunden pro Tag, in denen ich nicht noch oder schon wieder müde bin, weder studiere, vor-, nach- oder für echtes Geld arbeite und Muse habe, etwas sinnvolles zu Papier zu bringen.
Vielleicht ist das Semester auch nur etwas wüst und arbeitssam gestartet. Bis auf sehr viel lesen, habe ich ja nicht wirklich zu tun – die Hausarbeiten verschiebt man ja wegen der produktivitätssteigernden Wirkung von Deadlines gerne nach hinten.
Wird alles schon.