So, heute ist der erste Meilenstein beim NaNoWriMo fällig. Zehntausend Wörter in sechs Tagen ist realistisch betrachtet echt kein Ding. Wenn diese sechs Tage Wochenende sind natürlich. Mir ging es aber die Woche wie wohl vielen Teilnehmer: Ich war mit Dingen wie Arbeit beschäftigt und dank undankbarer Bronchien auch die meiste Zeit mit dem dringenden Wunsch, Zuhause direkt ins Bett zu fallen, anstatt noch meine 1667 Wörter pro Tag in die Tastatur zu hauen. Als stand ich am Mittwoch bei 3.400 Wörtern und da stand ich dann heute früh immer noch.

Aber heute ist ja Wochenende und ich wusste: Entweder schaffe ich heute, den Rückstand aufzuholen oder ich bin ehrlich mit mir selbst und lass es gleich ganz bleiben.

Phew, 6.600 Wörter. Das schaffe ich, sagte ich mir heute früh (viel zu früh für Sonntagmorgen, aber man will ja früh anfangen), fuhr meinen Computer hoch, schaltete meinen Bildschirm an. Fluchte dass dieser exakt zwei Wochen nach Verstreichen der Garantie seinen Geist aufgegeben hat.

Das bedeutet, auf meinem Netbook schreiben und morgen abend, einen neuen Bildschirm besorgen (ungefähr zu der Zeit, wo ich normalerweise am NaNo schreiben sollte).

Nun hat mein kleiner einen kleinen Nachteil: Er verträgt sich nicht sehr gut mit meinem linken kleinen Finger, weshalb die Feststelltaste nur in fünfzig Prozent der Fälle auch registriert, dass ich sie gerne für diesen oder jenen Buchstaben mit an Bord haben möchte. Und ich hasse Fehler in meinen Texten. So sehr, dass ich die letzten NaNoWriMos alle anders lautenden ratschläge zum Trotz immer sofort korrigiert habe.

Diesmal nicht. Der Text sieht zwar ganz furchtbar aus, aber witzigerweise schreibe ich schneller, unbeschwerter und es kommen mir eine Tonne von Ideen, die ich sonst wahrscheinlich immer verpasse, wenn ich gleich korrigiere.

Ach ja, und die 10.000er Marke habe ich heute auch geschafft.

P.S.: Und solange ich nur schreibe und nicht überarbeite, ignoriere ich auch die Mitteilung von Google Maps, dass Jöhstadt anscheinend gar keinen Friedhof besitzt. Weil ehrlich, wie das Kapitel funktionieren soll, wenn der nächste Friedhof in Annaberg ist, darüber muss ich mir jetzt noch keine Gedanken machen.

So, der Startschuss ist gefallen und ich beginne den diesjährigen NaNoWriMo unter den besten Voraussetzungen:

Am Wochenende hatte ich keine Zeit mich irgendwie vorzubereiten, trotz aller guter Vorsätze. Also keine groben Entwürfe der Handlung, Zeitlinien oder Szenenskizzen. Dinge, mit denen ich sonst gerne arbeite, weil ich für sowas immer eine gewisse Struktur brauche.

Sonntag hat sich dann auch noch abgezeichnet, dass ich das Wetter am Samstag und meine Abwehrkräfte ein klitzekleinwenig unter- bzw. überschätzt habe und so erfreue ich mich nun einer ausgewachsenen Bronchitis.

Trotzdem habe ich gestern in meiner Mittagspausse wenigstens ein paar Wörter niedergeschrieben, damit ich abends dann nicht völlig weißen Bildschirms beginnen muss und habe dann auch relativ schnell den Rest meines Tagesziels geschafft. Was unglaublich motivierend ist, denn die erste Woche ist meines Erachtens der Genickbruch für die meisten, die Ende November keine 50 k Wörter in die NaNo-Maschine einfüttern können.

Schauen wir mal, ob das heute auch so gut klappt. Und morgen. Und übermorgen. Und den Tag danach.

Ich versuche es ja alle Jahre wieder. Bisher aus verschiedenen Gründen gescheitert: Zu spät beim ersten Mal davon erfahren, dann ein Projekt angefangen, das zu ambitioniert war, schließlich einfach am Alltag gescheitert.

Und dennoch:
NaNoWriMo, ich komme!

Und da ich diesmal noch weniger Zeit habe als letztes Jahr im November, ohnehin den ganzen Tag beruflich schreibe, ohne dass ich mir das auf meinen Wordcount anrechnen kann (jedenfalls nicht guten Gewissens), diesen November auch wirklich viele Geburtstage anstehen, die ich schlecht verpassen kann und auch weil, ja, überhaupt – bin ich noch mehr motiviert als letztes Jahr.

Zur Vorbereitung habe ich mir schon Soundtracks zum Schreiben zurechtgelegt, werde dieses Wochenende mein Notebook schon mal seelisch und moralisch darauf vorbereiten, dass es Überstunden schieben wird und mein Kindle in die hinterste Schublade verbannt.

Bleibt mir nur noch Freunde, Familie und Kollegen vorzuwarnen, dass die Augenringe und der aufblühende Sarkasmus natürliche Nebenwirkungen und kein Grund zur Besorgnis sind.

Ein Kindle steht ja ohnehin auf meiner „wird in nächster Zeit definitiv angeschafft“-Liste. Aus vielen, guten Gründen (Netbook auf Balkon und direkter Sonneneinstrahl=suboptimal ist einer davon). Angesichts heutiger Gerüchte wird das Ganze allerdings mehr eine „Oh Gott, ich muss, ich muss“-Variante als ein Luxus-den-ich-mir-mal-gönne-weil-ich-kann. Und jeder der mal mein Handy gesehen hat, weiß, dass ich mir aus Gadgets nicht viel mache.

Aber ehrlich. Seufz.

Anbei. Handy. Meins:

Samsung

Andererseits

Du hast nicht meinen Ruf gehört, der Beifall war zu laut.
Er dröhnte nach und ließ die Säulen dieses Hauses beben.
Die Beifallsklatscher flohen mit Geschrei.
Nun bleibt mir nur das eingestürzte Dach von Deiner Brust zu heben.

Sie hebt sich selbst ein letztes Mal und ruht dann ihre Rippen aus.
Auf deinen Lippen klebt Geröll und Staub von tausend Stücken.
Wir waren beide hier im Rampenlicht zu Haus -
dereinst da konnte Dich mein Spiel sogar entzücken.

Seitdem Du jede Drehung kennst, da ruht auch dein Begeistern.
Es gehen mir die Phrasen aus; der alte Narr lernt keine neuen Flausen.
Jetzt steh schon auf, das Publikum ist längst gegangen!
Doch Du gehst nicht mal in den Sommerpausen.

Nun hast Du Dich dort in den Mittelgang gebettet.
Zu lange hat Dein Blick den Fortschritt meines Falls bewacht.
Uns mangelt es an einem Gong, der unser Stück beendet.
Wir haben uns die Laken zum Vorhang für die Welt gemacht.

Schwere Heimat

Ich habe meine Küche gelb gestrichen
mit einem Hauch von Apricot.
Hier hast Du mir die Hand aufs Knie gelegt,
da war sie himmelblau und ausgeblichen
und sagtest „Mädchen, Mädchen“.

Ich versuche heute diese Geste nachzuahmen,
doch meine Hand ist dabei furchtbar unbeholfen.
Sie fühlt sich auf Schultern so viel mehr zu Hause.
Und noch lieber gönn ich ihr auf einem Scheitel eine Pause.
Und überhaupt war es schon immer so, dass die Worte
„meine Kleine“ viel leichter über meine Lippen kamen.

Dennoch:
Ich schlage meine Beine übereinander so wie Du.
Habe das gleiche schiefe Lächeln.
Die krausen Haare, die jedem andren glatt erscheinen.

~~~

Ich habe meine Küche gelb gestrichen.
Mit neuen Bildern an der Wand.
Hier hast Du mir den Kopf zurechtgerückt.
Und unter Himmelblau, das schon verschwand,
da hieß es „Mädchen, Mädchen“.

Heute schmücken bunte Elefanten meine Kühlschranktür
und ein Sofa lädt zum Innehalten ein.
Hier liegt mein Schädel ab und an auf weichen Kissen.
Er möchte das Zurechtgerückt sein nicht mehr missen.
Und das Brummen, das vom Kühlschrank rüber weht.

Was Du mir als ich ein Kind war von der Arbeit mit nach Hause gebracht hast:
Dieses unbestimmte Gefühl von Weite, das so fremd war in unserer engen begrenzten Welt,
Deinen Aktenkoffer, mit dem ich nie spielen durfte,
den vagen Geruch von Kerosin und verbranntem Menschenfleisch,
ab und an ein Spielzeug aus fernen Ländern,
und einmal sogar, einmal sogar Amöbenruhr.

~~~

Ich habe meine Küche Gelb gestrichen,
das mittlerweile alt aussieht.
Hier hat es mir die Kehle zugeschnürt.
Das Himmelblau blieb ungerührt,
als niemand sagte „Mädchen, Mädchen“.

Seit gestern ist mein Hals auch wieder frei
und meine Stimme könnte bis zum Flur hinaus erklingen.
Doch dort lässt jemand and’res Lieder singen.
So bleibt mir nichts als leise einzustimmen.

Weißt Du:
Die Erinnerungen an Dich, die lagern hier in meiner Küche. Die Wohnung, in der ich aufgewachsen bin, trägt keine Spuren mehr von Dir. Ja selbst die Straße, auf der nicht Du mir das Fahrradfahren beigebracht hast, sieht heute so ganz anders aus. Und das Haus wurde vor fünfzehn Jahren schon komplett saniert.

~~~

Ich habe meine Küche gelb gestrichen.
Die Farbe war mir sehr egal.
Ich wollte nur das Himmelblau verwischen
und meinen Kummer gleich dazu. Doch himmelblaue Augen
hab ich und auch mein „Mädchen, Mädchen“.

1000 Geiger zähmen Dich und ich
fungiere als ihr Geigerzähler.
Mit jedem Fehler rinnt mir Deine
Leine aus der Hand.

Und so beginne ich von vorn.

100 Huren winken Dir und ich
bespiele gern das Hurenkind
und wenn die Stunden abgelaufen sind,
bist wund und lahm.

50 Bäcker reichen Dir ihr Zuckerbrot
und ich verstecke meine Peitsche.
Wenn Du mehr als ihren Finger nimmst,
brech ich Dir den Arm.

Zehn Versprechen gab ich Dir und ich
bereue den Versprecher.
Hier draußen hab ich angst vor Dir,
bange um den Status Quo.

Einen Fahrer engagierte ich
um uns nach Hause zu chauffieren,
wo Du fast sicher bist, doch er vergaß
seine Fahrerlaubnis.

Und so beginne ich von vorn.

Woah, da scheint jemand von Spon Stewart/Colbert-Fan zu sein. Ab und an erwähnen sie ja einen von beiden, wenn es um die aktuelle Medienlandschaft in den Staaten geht. Aber meistens eher in einem Nebensatz – und immer etwas sehr unaktuell (ehrlich, zwei, drei Wochen später sind heutzutage wirklich etwas lahm).

Nun, berichten die Spons eifrig von Stewarts „Rally to restore sanity„. Sie berichten sogar über Stephen Colbert. Vergessen dabei aber zu erwähnen, dass dieser parallel zu Stewart den „March to keep fear alive“ organisiert.

Dumm nur, dass die Ankündigungen dafür schon am 16. September erfolgten und sowohl die Rally als auch der March inzwischen einen Riesenschwanz an Berichterstattung in den USA nach sich zieht. Deshalb ist auch schon seit dem 17. September das hier mein Desktophintergrund.

Wie es aussieht sind die Spons wieder ein klein wenig zu spät. Oder aber sie haben gar keinen begeisterten Stewart/Colbert-Fan in ihren Reihen. Dabei kann man sich deren Shows auch ganz legal in Europa (zumindest Teilen davon) anschauen. Sogar schon am darauffolgenden Tag.

Okay, ich kann es nicht lassen. Nachdem ich zwar im November beim NaNoWriMo mitgemacht, aber mittendrin stecken geblieben bin, will ich es noch mal versuchen. Diesmal jedoch geht es nicht darum einen Roman zu schreiben, sondern ein Skript. Also wahlweise ein Stück, ein Drehbuch oder ein Hörspiel.

Diesmal habe ich aber durchaus einen Plan. Auch wenn ich mir geschworen habe, die Finger von diesem Erzähluniversum zu lassen, lauert da in meinem Hinterstübchen ein nettes kleines Partnerstück zur Juwel-Trilogie. Es werden ein paar bekannte Charaktere vorkommen (im Vordergrund vornehmlich Dominik, Rebekka und Lena; im Hintergrund Kassandra und René/Adam – obwohl, so wie ich Adam kenne, wird der sich wieder in den Vordergrund drängeln) und es soll ein bißchen beleuchtet werden, was eigentlich mit den Spielern passiert ist, die im dritten Teil ja nicht mehr vorkommen.

Der Vorteil dabei ist, dass ich die Story an sich schon im Kopf habe. Sie wurde auch durchaus in Teil zwei/drei angesprochen, aber mehr in der Form eines Noodle Incidents.
Und so sehr ich Lena auch verabscheue – sie ist mir beim Schreiben des dritten Teils als Figur ans Herz gewachsen. Deshalb bekommt sie auch eine ordentliche Hintergrundgeschichte und damit mehr Scheinwerferlicht.

Zeitlich ist das Stück zwischen dem Ende des ersten Teils und dem Anfang des dritten angelegt. Das klingt jetzt ein bißchen wie „Huh, also dann wenn das zweite Stück stattfindet, oder?“, aber zwischen Teil eins und zwei vergehen im Universum grob drei Jahre. Das ist das einzige, was mir ein wenig Sorgen bereitet. In dieser Zeit ist viel passiert (man hat sowas ja immer im Hinterkopf, auch wenn es dann im Stück selbst nicht erwähnt), aber vorwiegend Juwel-Zeugs – und Juwel wird in dem Stück nicht vorkommen, höchstens einmal unnamentlich erwähnt. Also habe ich da ein wenig an Geschichte aufzufüllen. Das sollte aber nicht das Problem sein, da sowohl Rebekka als auch Dominik nur sehr kleine Rollen im zweiten Teil haben, und man so gut wie nichts über sie weiß.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie ich es diesmal hinbekomme und was meine Figuren so mittendrin für Entscheidungen fällen, die ich nicht erwartet habe.

I add the ocean to the landscape
you’re something blue between the lines
a wild card sea among the quarters
and draft a shark on traffic signs.

hello, Mr. Sir
don’t draw back on me
your beach is made of charts
due a.s.a.p.

you shape the corners out of seashells
and hum a siren’s song along.
my endeavour bare of pillars,
your choirmen are fifty strong.

hey there, stranger man
don’t you step aside
my sketches are forever lost
i couldn’t find your tide

we throw sticks from narrow rooftops
babbling pathways to our feet
traffic pours towards the outskirts
and a painting incomplete

c’mon, darling boy
don’t you care to swim?
we can drown together there
and gargle our hymn.

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