Heute sollte ich so bei 10000 Wörtern sein. Sollte. Dummerweise kam ich gestern zu nichts, kränkel seit heute und überdies bin ich jetzt an dem Punkt, wo ich nicht mehr nur einzelne Szenen kreuz und quer auf das Blatt zu schießen, sondern ich anfange chronologisch zu schreiben.

Aber naja, ich weiß zumindest inzwischen, was ich schreibe, wo ich hin will und meine Figuren entwickeln ihre ersten unerwarteten Macken, die ich ihnen entweder versuche auszuprügeln oder die ich mit gesenktem Haupt still und leise toleriere.

Und wenn ich dann noch den Punkt erreiche, wo es eine Landkarte von Brandenburg nicht mehr schafft mich zwei Stunden abzulenken, dann wird alles gut.

TvTropes steht diesen Monat übrigens auf meiner absoluten NoGo-Liste. Man muss es sich ja nicht noch schwerer machen.

Da ich fürs Schreiben meist einen Soundtrack brauche, auch diesmal wieder. Auch wenn er sich diesmal sehr… krude gestaltet:

Aretha Franklin:
- Son of a preacher man
The Beatles:
- Black Bird
Belle & Sebastian:
- The Fox in the Snow
Billie Holliday:
- Cheek to cheek
Björk:
I’ve seen it all
Boomtown Rats:
- I don’t like mondays
Colin Hay:
- I don’t know why
- Maggie
- Wayfaring Sons
Damien Rice:
- Der Einfachheit halber einfach alles.
The Devlins:
- Waiting
Don MacLean:
- American Pie
Dota:
- Alles Du
Feist:
- Gatekeeper
Funny van Dannen:
- Arbeiterkinderdenkmal
- Engel
- Fanclub der Sehnsucht
- In meinem Auto
- Kunden der Zeit
- Sie sagte nein
Gundermann:
- Fliegender Fisch II
- Lancelots Zwischenbilanz
- Wo bleiben wir
Jan Koch:
- Ewiger Mai und Matt in drei Zügen Eins bis Drei
Johnny Mandel:
- Suicide is painless
Josh Ritter:
- Girl in the War
Komeda:
It’s alright baby
Konstantin Wecker:
- Bleib nicht liegen
- Das wird eine schöne Zeit
- Der alte Kaiser
- Frieden im Land
- Genug ist nicht genug
- Hexeneinmaleins
The Marmelade:
- Reflections of my life
The Rolling Stones:
- You can’t always get what you want
Smashing Pumkins:
- Tonight, tonight
Tomte:
- Die Schönheit der Chance
Wallis Bird:
- Bring me wine
- Moodsets
The Weepies:
- A Painting by Chagall

Okay, morgen geht’s los. Der National Novel Writing Month beginnt und da es letztes Jahr schon zu spät war, damit zu beginnen, ist das zumindest für mich eine Premiere.

Bis heute morgen habe ich auch mit mir gerungen, ob ich Fantasy oder nicht schreiben will. Fantasy hat gewisse Vorteile. Erstens habe ich da schon ein paar, teilweise sehr ausführliche Anfänge in Schubladen rumzuliegen (aber das ist ja nicht Sinn der Sache), zweitens kann ich Fantasy in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit runtertippen, sobald die entsprechende Welt erst mal in meinem Kopf Formen angenommen hat.

Aber das mache ich nun doch nicht. Ich habe zwar noch keine Ahnung, was ich mache, aber ich dachte es wäre vielleicht mal an der Zeit, mein Versprechen einzulösen und Olga, meiner personifizierten Muse ein Buch zu widmen. Damit habe ich zwar noch keine Geschichte, keinen Plot, noch nicht mal eine grobe Richtung. Aber ich habe eine Figur. Immerhin. Jetzt muss ich nur noch rauskriegen, wie die Welt um sie herum aussehen soll.

Während ich mich selbst in der Abschlussarbeitendpanikphase befinde, meine Wohnung sich trotz intensivem Wünschens noch nicht selbst geputzt hat und mein Briefkasten sich weigert wichtige Unterlagen zu empfangen, konnte ich heute mal wieder feststellen, dass meine Eltern irgendwas richtig oder gravierend falsch gemacht haben.

Zur Erklärung: Mich erwartete heute eine Plakatrolle mit dem Stempel der Royal Mail. Weil es Sachen gibt, die man Deutschland nicht bekommt, die es zwar in den USA gibt, die aber vom jeweiligen Anbieter nicht außer Landes verschickt werden und im Zweifelsfall Großbritanien eine nahe Alternative ist. Auch wenn meine letzte (sehr teure) DVD-Bestellung irgendwo zwischen Royal Mail und Deutscher Post versackt ist.

In der Rolle befanden sich übrigens ein BSG-Abendmahlsbild, das jetzt dekorativ aber schief weil Altbau über meinem Bett hängt… und wo ich das Stephen Colbert Poster hinhänge, das ebenfalls riesig ist, weiß ich noch nicht. Vielleicht räume ich einfach die komplette Wohnung um, damit sich ein Plätzchen auftut. Und andere Menschen denken, TvTropes-Sucht wäre ein Problem….

Okay, vielleicht find ich es auch gerade nur so schön, weil ich gestern das Buch angefangen habe, aber ehrlich: eine Felix-Krulliade?

Zitat aus dem Spon-Artikel über den verurteiltern Anthropologen Reiner Protsch:

»Er war ein Hochstapler der Extra-Klasse. Kaum vorstellbar, dass er sich nicht eines Tages wieder mit einer neuen Felix-Krulliade zurückmeldet.«

Was werden wir dann als nächstes finden? Eine Willy-Lomaniade angesichts der Wirtschaftskrise? Eine Walter-Faberiade bei seltsamen Familienverwicklungen? Eine Läufferiade bei noch seltsameren Fällen von Selbstkastration?

Naja, das dürfte zumindest interessante Gespräche ergeben…

Fausts große Nase /fausts ‘gro:sə ‘nɑzə/ umg, belegt ab ca. 2006, im Allgemeinen ein Pejorativ bezüglich gesprochener Rede mit gleichzeitiger Abwertung des Sprechers. Oft alternativ verwendet zu »hört sich gerne reden«. Der Ursprung der Redewendung liegt vermutlich in Berlin in studentischen Kreisen. Urban legends sprechen von einem Initialgebrauch anlässlich einer Vergleichsdiskussion zu verschiedenen Faustdarstellungen in der bildenen Kunst.

Beispielhafter Gebrauch:

A: »Er hat stundenlang geredet, ohne auf den Punkt zu kommen.«

B: »Ja, das war beinahe wie Fausts große Nase.«

Da ich mit dem anderen Blog ein paar Schwierigkeiten hatte (bzw. an die Grenzen der dort gegebenen Software gestossen bin), habe ich mich dazu durchgerungen, diesen Blog wieder zu beleben.

Das bedeutet, dass ich in den letzten Tagen die neuen Beiträge von drüben hierher kopiert habe (vorwiegend erstmal die Lyrik und Prosa, eventuell kopiere ich ein paar der alten Beiträge in den nächsten Tagen auch noch), was mich dazu bringt, mich bei all jenen zu entschuldigen, die den Blog eventuell noch im RSS-Feed hatten und mit einer Vielzahl von Beiträgen bombadiert wurden.

Wie dem auch sei, jetzt bin ich wieder hier, und der Blog ist auch mit meiner Domain verknüpft.

Kopiere ruhig mein Zögern:
die Gegenwehr ist kalkuliert.
Und selbst mein beiläufiges Stöbern
in Deiner Plattensammlung funktioniert.

Auf Deinem Sofa fabulier’ und spiel’
ich sorgsam Deine Nerven.
Ich reiz Dich langsam bis zum Ziel.
Schon bald wirst Du das Handtuch werfen.

Nun strecke ich Dir meine weiße Stirn entgegen
und warte ab bis Du den nächsten Schritt ergreifst.
Dein Mund zuckt siegreich und verwegen,
als Du mit Deinem Fuß den meinen schamvoll streifst.

Wenn dann fast aus Versehen
mein Kleid den Weg zum Boden findet -
und Deine Hand möchte verstehen,
was noch mit ihrem Strich verschwindet -

dann wähnst Du mich gewonnen.
Die Wahrheit, Liebster, unter Dir
da lächle ich versonnen.
Verloren hast Du Dich in mir.

4.02.09

Ich gehe am Kopf von Hegel vorbei und nicke ihm pflichtschuldig zu. Er schaut etwas grimmig, aber ich würde wahrscheinlich auch nicht sonderlich glücklich dreinschauen, wenn man mich nicht einmal als ganzes, sondern nur mein Haupt in Bronze gegossen und auf ein Stück Stein gehievt hätte. Und dieses Stück Stein steht noch dazu recht lieblos auf dem Platz. Kaum jemand schenkt ihm oder Hegels Kopf Beachtung.

Aber ich laufe ja nur vorbei, lenke meine Schritte in das schmale Gässchen zwischen all den großen, lauten oder zumindest gepflasterten Straßen der Umgebung. Hier pfeift der Wind nicht. Er ruht sich aus, ringt nach Luft, bevor er weiter muss. Dabei hinterlässt er den Geruch von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln und ich lächle. Nicht wegen des Zuckers oder der Mandeln, sondern wegen des Schotters. Meine Stiefelsohlen sind hauchdünn, die Füße bar und ohne Strumpf in den Schuhen. Die kleinen spitzen Schotterstückchen bohren sich durch die Sohlen in mein Fleisch.

Das streckt die Zeit und gerade hier in diesem kleinen Gässchen, das beinahe so unbeachtet wie Hegels Kopf ist, freue ich mich, dass die paar Meter mir nun länger vorkommen.

Am Ende richtet sich mein Blick kurz nach links und ich lächle den Polizisten zu, die dort in der Kälte stehen. Pro forma. Sie erwarteten es nicht und ich fühle mich hier nicht in der Pflicht. Ich muss eher immer kurz stutzen, bis mir einfällt, dass ich ja weiß, warum sie da stehen, und lachen, weil mein Vergessen und ihre Präsenz beide absurd sind. Pro forma nicke ich ihnen zu, weil das nichts weiter heißt als ›die Form wahren‹, so ungefähr jedenfalls und es mich an ›den Anschein wahren‹ erinnert und ich mir scheinbar zu viele Gedanken über Worte mache.

Weiter ab, denn wir dürfen das Geländer nicht vergessen. Einfach über die Straße und ran an das Geländer. Unter einem dann der Wassergraben und gegenüber auf der anderen Seite erheben sich die alten Bauten und davor steht sie zwischen all den Fassadenstückchen und dem Bauschutt, der bald weggekarrt wird, um zukünftige Fassadenstückchen und zukünftigen Bauschutt heranzukarren, womit sie die Bauten hübsch machen wollen. Während drin doch auch nur Tonscherben rumliegen.

Ja, da steht sie. Trotz der Kälte in dem dünnen, aber hochgeschlossenen Sommerkleidchen. Dunkelblau mit stecknadelkopfgroßen, weißen Punkten, die ich nicht sehe, aber kenne und deshalb weiß, dass sie da sind. Die störrischen Haare hat sie in zwei Zöpfe gebannt, über jedem Ohr einer und unter ihren wasserblauen Augen lächelt sich mich mit debilem Grinsen an und winkt eifrig. Ich lache, winke zurück und rufe: »Spring!«

Da springt sie, ich sehe sie noch grinsend im eiskalten Wasser, laufe über die Brücke zur Insel, über diese hinweg und die nächste Brücke rauf. Auch in diesem Wasser grinst sie und ich rufe: »Jetzt schrei!«

Da schreit sie und später steht sie dann an der Ampel plötzlich neben mir, noch immer triefnass, noch immer im Sommerkleid und ja, nun, sie schreit und grinst und winkt. So geht das den ganzen Tag. Hinter der nächsten Ecke steht sie und ringt um Aufmerksamkeit immer wieder und wieder, auch wenn ich sie eine Treppe hinunter stoße oder vor ein Auto schubse. Ich kenne das. Genauso wie die kleinen weißen Punkte auf ihrem Kleid. Es ist immer das gleiche.

Erst wenn ich dann in einem Café sitze oder einer Kneipe, sie draußen bleiben muss und gegen die Fensterscheiben klopft, während ich drinnen sitze und aufschreibe, was sie geschrien hat, dann hört sie auf zu grinsen und grad wenn ich kurz davor bin, sie zu verlieren, dann stehe ich auf.

Denn ich weiß und sie weiß, dass ich dann, wenn es auf der Straße wirklich dunkel ist und sich auf ihrer nassen Kleidung Frost bildet, ich raus gehen werde, sie an die Hand nehme.

In meiner Wohnung lächelt dann keine mehr von uns beiden, aber sie bekommt eine warme Decke, eine heiße Schokolade und das Himmelbett in meiner Besenkammer.

5.12.08

In der Ferne schweifen noch Gedanken, die wir gestern gierig tranken.
Sind wir nach dem Fest berauscht und nöcher streifen wir die letzten Federkiele ab.
Wetzen Schnäbel, schärfen Krallen, mag der Wein auch heute zu gefallen.
Sind wir doch zu schwach. Unsre Instinkte werden wach.

So erheben wir uns aus den Flammen. Wir pflegen lieber unsre Schrammen,
ruhen weiter unsre Augen aus und Rauch weist in die Welt hinaus -
wo Gefahren reizvoll lauern, in den Mauern sichrer Heimstatt
kann uns niemand Wunden schlagen, werden wir niemals verzagen.

Komm doch mit. So bleib doch hier.
Hast Du Angst? Bist Du von Sinnen?
Ich bitte Dich, ich rate Dir.
Verlier ich eher – möcht ich gewinnen.

23.11.08

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